
Eine transdisziplinäre Tagung zu Gehen als künstlerische Praxis, räumliche Erfahrung und erkenntnisstiftende Methode im Geist von Lucius und Annemarie Burckhardt.
🗓 ZÜRICH: 5. bis 7. Juni 2026
📍 Labör im MFO-Areal, Oerlikon, Zürich
🗓 BASEL: 11. bis 13. September 2026
📍 Holzpark, Klybeck, Basel
WALKING geht 2026 in die nächste Runde. Nach der erfolgreichen ersten Durchführung im Jahr 2025 folgen zwei weitere Ausgaben mit jeweils einem Symposium und Walkshops. Die Tagungen haben je ein unterschiedliches Programm und Setting. Sie können unabhängig voneinander besucht werden. Ausgehend von der Promenadologie (Spaziergangswissenschaft) nach Lucius und Annemarie Burckhardt laden wir Künstler:innen, Forscher:innen und Spaziergänger:innen ein, das Gehen als kritische, räumliche und künstlerische Praxis zu erkunden.
🎤🥾 Speakers und Walkshops
Geplant sind pro Standort je ca. 10 Talks + 10 Walkshops. Die Hälfte der Beiträge wurden mittels Direkteinladung vergeben, die andere Hälfte wurde als Open Call ausgeschrieben. Das finale Programm wird am 30.5. (für Zürich) und 30.7. (für Basel) veröffentlicht)
Bestätigte Sprecher:innen und Walkshops (Stand 10.5.26)
Zürich:
Marie Alexis
Annemarie Bucher
Violeta Burckhardt
Sharon Chan & Charles Kwong
Gabriyel Dari
Anke Domschky & Maxime Zaugg
Seline Fülscher
Fabian Gutscher
Dennis Häusler
Johannes M. Hedinger
Geraldine Honberger
Marie-Anne Lerjen
Aisling O’Carroll
Jana Orb & Mingue Zhang & Moritz Wahl
Ella Prokkola
Julia Rüegger
Heiko Schmid
Jan Noel Thon
Nazli Tümerdem
Nikolaus Wyss
Young Jae Shin
Basel:
Tom Brunner & Katja Reichenstein
Violeta Burckhardt
Clementine Butler-Gallie & Clare Qualmann
Babak Fakhamzadeh
Carolin Genz & Henriette Lutz
Johannes M. Hedinger
Marie-Anne Lerjen
Ailin Nolmans
Niklaus Reichle & Ueli Vogt
Markus Ritter
Alonea Rodeh
Núria Rovira & Mel Galley
Julia Rüegger & Patrick Düblin
Soya the Cow
Aylin Tschoepe & Denis Haschke
Judith Weidmann & Frederic Bron
Léonard Wiesendanger
angefragt:
Tomas Espedal, Frédéric Gros, Erling Kaage, Anneke Lubkowitz, Chus Martinez, Ann Mbuti, Tabea Michaelis, Morag Rose, Rebecca Solnit, Unofficial Hiking Society
Teilnahme
👥 Die Teilnehmerzahl ist auf max 30 (pro Standort) limitiert.
✍️ Interessierte müssen sich mit einem kurzen Motivationsschreiben und CV für die Teilnahme bewerben. Die Teilnahme ist weitgehend kostenlos, es wird eine Verwaltungsgebühr von CHF 80.- erhoben, für die Essen- und Getränkegutscheine abgeben werden.
📌 Anmeldung Zürich: bis 30. Mai 2026 > Teilnahme Form DE / Participation Form EN
📌 Anmeldung Basel: bis 30. Juni 2026 > Teilnahme Form DE / Participation Form EN
Reise, Unterkunft und Verpflegung, müssen die Teilnehmenden selbst organisieren. Am Tagungsort wird ein Menu angeboten, Snacks sind frei. Die Teilnehmenden könnten eine freiwillige Kollekte leisten.
Streaming / Dokumentation
Ein Teil der Talks wird auch hybrid angeboten, nicht aber die Work-/Walkshops.-
Der Streaming-Link wird an den Tagungsterminen hier live verlinkt.
Eine Auswahl von Beiträgen aus allen drei Tagungen werden in im Nachgang in die Publikation «WALKING» einfliessen, die in der Serie ILEA Books anfangs 2027 bei ILEA Press im Verlag Vexer erscheinen wird.
Organisation
Organisation: ILEA Institute for Land and Environmental Art.
Kuratorium: Violeta Burckhardt und Johannes M. Hedinger
Kooperationen: Labör, Holzpark, Lokal für Raumbegehung, ETH (D-ARCH), Ponyhof 34, DSI Community Gaming, Swiss Game Hub, ISEK UZH, ZHdK, Hafechäs, Gannet u.a.
Support: Stiftung Lucius und Annemarie Burckhardt u.a.
ILEA – Institute for Land and Environmental Art, www.ilea.art
studio erde, https://www.studio-erde.com/
Lucius und Annemarie Burckhardt Stiftung, www.lucius-burckhardt.org
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Konzept (längerer Text)
2025 jährte sich der Geburtstag von Lucius Burckhardt, dem Begründer der Promenadologie (Spaziergangswissenschaft) zum 100 Mal. Doch der Anlass ist weit mehr als ein historisches Gedenken: In einer Gegenwart, die von Ökokrise, Urbanisierungsdruck und digitaler Raumüberformung geprägt ist, gewinnt sein Denken neue Brisanz. Burckhardts Ansatz, das Gehen als epistemische Praxis ernst zu nehmen, lässt sich heute als Einladung zur kritischen Weltwahrnehmung lesen. WALKING wird zur Methode, um jene Gestaltungen zu hinterfragen, die als «natürlich» erscheinen, und zur Praxis, in der Raum, Körper und Machtverhältnisse sichtbar werden.
Der Spaziergang war für Burckhardt kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Infragestellung von Sichtweisen. Wir sehen nicht die Landschaft, so seine These, sondern unsere eigenen Erwartungen. In einer von schnellen Planungsprozessen, algorithmischer Navigation und globaler Beschleunigung geprägten Welt stellt die Promenadologie eine verlangsamende Gegenbewegung dar: ein Denken in Bewegung, ein Innehalten durch Gehen.
Aktuelle Positionen aus Kunst, Philosophie und Sozialwissenschaft greifen diesen Impuls auf und führen ihn weiter. Tim Ingold spricht von «slow observation» als ökologischer Methode. Blake Morris, Cristina Maldonado oder Janet Cardiff erforschen in der Walking Art das Gehen als performativen, raumproduzierenden Akt. Rebecca Solnit beschreibt das Gehen als eine zutiefst kognitive Praxis: „Der Rhythmus des Gehens erzeugt eine Art Rhythmus des Denkens, und der Gang durch eine Landschaft stimuliert eine Reihe von Gedanken“.
Das Gehen erzeugt demnach nicht nur Bewegungen im Raum, sondern auch Bewegungen des Denkens. Gleichzeitig weisen Stimmen wie Sara Ahmed oder Anna Tsing darauf hin, dass Gehwege nicht für alle gleich offenstehen: Raum ist nie neutral, Gehen nie universal.
Die Relevanz Burckhardts liegt heute weniger in seinen konkreten Antworten als in seiner Methode des Zweifelns: der Einladung, Wahrnehmung als gestaltbare und gestaltende Kraft zu begreifen. Wer diese Haltung ernst nimmt, erkennt: WALKING ist keine Flucht aus der Welt, sondern ein Mittel, sie zu verstehen, zu verändern, neu zu imaginieren.
Doch was heißt das heute, wo Gehen überwacht, kanalisiert und vermessen wird? Wie können wir Burckhardts Gedanken in eine Zeit überführen, in der das Gehen zugleich Protestform, Selbstsorge, Mobilitätspraxis und künstlerisches Medium ist? Vielleicht lautet die eigentliche Frage nicht mehr: «Warum ist Landschaft schön?», sondern: Wie können wir in einer fragmentierten Welt neu wahrnehmen lernen – durch Bewegung, durch Aufmerksamkeit, durch Geh-Widerstand?
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Themenfelder – (Beschreibung)
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Zielgruppen der Tagung
Für wen ist die (Wieder-)Entdeckung Burckhardts ein Gewinn?
Burckhardt zu lesen – oder besser: ihn zu begehen – bedeutet heute, sich einer Haltung zu nähern, die radikal offen, beobachtend und nicht-wissend ist. Es ist ein Gegenentwurf zur hektischen Expertenkultur. Und ein Versprechen: Dass durch aufmerksames Gehen eine andere Welt sichtbar wird.