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WALKING – Denken in Bewegung.

Symposium und Walkshops


Eine transdisziplinäre Tagung zu Gehen als künstlerische Praxis, räumliche Erfahrung und erkenntnisstiftende Methode im Geist von Lucius und Annemarie Burckhardt.

🗓 ZÜRICH: 5. bis 7. Juni 2026   
📍 Labör im MFO-Areal, Oerlikon, Zürich

🗓 BASEL: 11. bis 13. September 2026  
📍 Holzpark, Klybeck, Basel

WALKING geht 2026 in die nächste Runde. Nach der erfolgreichen ersten Durchführung im Jahr 2025 folgen zwei weitere Ausgaben mit jeweils einem Symposium und Walkshops. Die Tagungen haben je ein unterschiedliches Programm und Setting. Sie können unabhängig voneinander besucht werden. Ausgehend von der Promenadologie (Spaziergangswissenschaft) nach Lucius und Annemarie Burckhardt laden wir Künstler:innen, Forscher:innen und Spaziergänger:innen ein, das Gehen als kritische, räumliche und künstlerische Praxis zu erkunden.

Teilnahme
👥 Die Teilnehmerzahl ist auf max 30 (pro Standort) limitiert.
✍️ Interessierte müssen sich mit einem kurzen Motivationsschreiben und CV für die Teilnahme bewerben. Die Teilnahme ist weitgehend kostenlos, es wird eine Verwaltungsgebühr von CHF 80.- erhoben, für die Essen- und Getränkegutscheine abgeben werden.

📌 Anmeldung Zürich: bis 30. April 2026                       > Teilnahme Form DE / Participation Form EN
📌 Anmeldung Basel: bis 30. Juni 2026                          > Teilnahme Form DE / Participation Form EN

Reise, Unterkunft und Verpflegung, müssen die Teilnehmenden selbst organisieren. Am Tagungsort wird ein Menu angeboten, Snacks sind frei. Die Teilnehmenden könnten eine freiwillige Kollekte leisten.

Eigener Beitrag
👣 👨🏻‍💻 Teilnehmende können sich mit einem eigenen Beitrag (Talk oder Walkshop) für das Programm bewerben.
Honorar: Kurz-Vortrag (30 min): CHF 250.– / Walkshop (60-90 min): CHF 400.– / Projekt-Präsentation (20min): CHF 200.- / Keynote (45min): nach Absprache
sowie Übernahme von Verpflegung und Reisekosten (möglichst ökologisch) und nach Bedarf eine Übernachtung.

📌 Vorschlag für Zürich oder Basel: bis 30. April 2026      > Call for Contribution DE /Call for Contribution EN

Themen und Formate
Die zwei Tagungen bietet Gelegenheit, WALKING aus künstlerischer, wissenschaftlicher, gestalterischer oder aktivistischer Perspektive zu erleben, mitzugestalten und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Wir setzen auf vielfältige Formate, die die klassische Vortragssituationen erweitern: möglich sind Talks und theoretische Reflexionen, Walkshops, Lecture Performances, Audiospuren, Projektpräsentation sowie experimentelle Formate.

Themenfelder (Detailbeschreibung siehe unten)
– Gehen als künstlerische, forschende und narrative Praxis
– Gehen als ökologische Praxis und Stadt-/Landschaftsbegegnung
– Gehen, Erinnerung und Geschichtsräume
– Gehen als politische, fürsorgliche und widerständige Praxis
– Feministische, dekoloniale und inklusive Perspektiven von Gehen; Raum und Macht
– Digitale Mobilität und die Zukunft des Gehens
– Promenadologie heute – Wahrnehmung neu lernen

Speakers und Workshops
Die Tagungen haben je ein unterschiedliches Programm und Setting. Sie können unabhängig voneinander besucht werden. Geplant sind pro Standort je 10 Talks + 10 Walkshops + 1 Keynote. Rund die Hälfte der Beiträge wird mittels Direkteinladung vergeben, die andere Hälfte wird als Open Call ausgeschrieben.
Bisher bestätigte Sprecher:innen und Workshops (Stand 15.3.26)
Tom Brunner / Violeta Burckhardt / Annemarie Bucher / DSI Community Gaming / Patrick Düblin / Fabian Gutscher / Johannes M. Hedinger / Marie-Anne Lerjen / Ann Mbuti / Aisling O’Carroll / Katja Reichenstein / Markus Ritter / Julia Rüegger / Young Jae Shin / Heiko Schmid / Nazli Tümerdem / Léonard Wiesendanger und viele weitere
angefragt: Tomas Espedal, Rebecca Solnit

Dokumentation
Ein Teil der Talks wird auch hybrid angeboten, nicht aber die Work-/Walkshops.
Eine Dokumentation der ersten Ausgabe im Herbst 2025 im Safiental in einem ländlichen/alpinen Kontext finden sie hier: LINK.
Eine Auswahl von Beiträgen aus allen drei Tagungen werden in im Nachgang in die Publikation «WALKING» einfliessen, die in der Serie ILEA Books anfangs 2027 bei ILEA Press im Verlag Vexer erscheinen wird.

Organisation
Organisation: ILEA Institute for Land and Environmental Art.
Kuratorium: Violeta Burckhardt und Johannes M. Hedinger
Kooperationen: Labör, Holzpark, Lokal für Raumbegehung, ETH (D-ARCH), Ponyhof 34, DSI Community Gaming, Swiss Game Hub, ISEK UZH, ZHdK, Hafechäs, Gannet u.a.
Support: Stiftung Lucius und Annemarie Burckhardt u.a.

ILEA – Institute for Land and Environmental Art, www.ilea.art
studio erdehttps://www.studio-erde.com/
Lucius und Annemarie Burckhardt Stiftungwww.lucius-burckhardt.org

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Konzept (längerer Text)

2025 jährte sich der Geburtstag von Lucius Burckhardt, dem Begründer der Promenadologie (Spaziergangswissenschaft) zum 100 Mal. Doch der Anlass ist weit mehr als ein historisches Gedenken: In einer Gegenwart, die von Ökokrise, Urbanisierungsdruck und digitaler Raumüberformung geprägt ist, gewinnt sein Denken neue Brisanz. Burckhardts Ansatz, das Gehen als epistemische Praxis ernst zu nehmen, lässt sich heute als Einladung zur kritischen Weltwahrnehmung lesen. WALKING wird zur Methode, um jene Gestaltungen zu hinterfragen, die als «natürlich» erscheinen, und zur Praxis, in der Raum, Körper und Machtverhältnisse sichtbar werden.

Der Spaziergang war für Burckhardt kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Infragestellung von Sichtweisen. Wir sehen nicht die Landschaft, so seine These, sondern unsere eigenen Erwartungen. In einer von schnellen Planungsprozessen, algorithmischer Navigation und globaler Beschleunigung geprägten Welt stellt die Promenadologie eine verlangsamende Gegenbewegung dar: ein Denken in Bewegung, ein Innehalten durch Gehen.

Aktuelle Positionen aus Kunst, Philosophie und Sozialwissenschaft greifen diesen Impuls auf und führen ihn weiter. Tim Ingold spricht von «slow observation» als ökologischer Methode. Blake Morris, Cristina Maldonado oder Janet Cardiff erforschen in der Walking Art das Gehen als performativen, raumproduzierenden Akt. Rebecca Solnit beschreibt das Gehen als eine zutiefst kognitive Praxis: „Der Rhythmus des Gehens erzeugt eine Art Rhythmus des Denkens, und der Gang durch eine Landschaft stimuliert eine Reihe von Gedanken“.
Das Gehen erzeugt demnach nicht nur Bewegungen im Raum, sondern auch Bewegungen des Denkens. Gleichzeitig weisen Stimmen wie Sara Ahmed oder Anna Tsing darauf hin, dass Gehwege nicht für alle gleich offenstehen: Raum ist nie neutral, Gehen nie universal.

Die Relevanz Burckhardts liegt heute weniger in seinen konkreten Antworten als in seiner Methode des Zweifelns: der Einladung, Wahrnehmung als gestaltbare und gestaltende Kraft zu begreifen. Wer diese Haltung ernst nimmt, erkennt: WALKING ist keine Flucht aus der Welt, sondern ein Mittel, sie zu verstehen, zu verändern, neu zu imaginieren.

Doch was heißt das heute, wo Gehen überwacht, kanalisiert und vermessen wird? Wie können wir Burckhardts Gedanken in eine Zeit überführen, in der das Gehen zugleich Protestform, Selbstsorge, Mobilitätspraxis und künstlerisches Medium ist? Vielleicht lautet die eigentliche Frage nicht mehr: «Warum ist Landschaft schön?», sondern: Wie können wir in einer fragmentierten Welt neu wahrnehmen lernen – durch Bewegung, durch Aufmerksamkeit, durch Geh-Widerstand?

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Themenfelder (Beschreibung)

  1. Gehen als künstlerische, forschende und soziale Praxis
    Gehen als künstlerische, epistemische und partizipative Methode: Spaziergänge als Performances, Lecture Walks, Walkshops, Storytelling, Spurenlesen, Schreiben im Gehen und Gehen als soziale Choreografie. Gehen wird zur kreativen und gemeinschaftsstiftenden Praxis, die neue Erkenntnisse und Erfahrungen ermöglicht.
  2. Gehen als ökologische Praxis und Landschaftsbegegnung
    Wie verändert Gehen unser Verhältnis zur Umwelt? Das Gehen wird als Mittel der ökologischen Wahrnehmung, der Landschaftsbegegnung und als nachhaltige Mobilitätsform verstanden. Es geht um das Fährtenlesen, die Begegnung mit nicht-menschlichen Akteur*innen (Tiere, Flüsse, Territorien) und das Gehen als Klima- und Umweltpraxis.
  3. Gehen, Erinnerung und Geschichtsräume
    Spaziergänge als Formen der aktiven Erinnerung, Geschichtserfahrung und Spurensuche. Gehen wird als Methode der Erinnerungskultur, der biografischen und kollektiven Erzählung, sowie der Auseinandersetzung mit lokalen und globalen Geschichtsräumen verstanden.
  4. Gehen als politische, fürsorgliche und widerständige Praxis
    Gehen als Protestform, Care-Practice und alltägliche Widerstandsbewegung. Im Fokus stehen Fragen nach Flucht, dem Recht auf Bewegung, der Überschreitung von Grenzen (geografisch, politisch, sozial) und dem Gehen als solidarischer, politisch motivierter Handlung.
  5. Feministische, dekoloniale und inklusive Perspektiven von Gehen; Raum und Macht.
    Wer darf wann, wo und wie gehen? Gehen ist nie neutral. Dieses Feld beschäftigt sich mit den Machtverhältnissen im Raum, feministischen, queeren und dekolonialen Perspektiven sowie mit Fragen der Zugänglichkeit, Körperlichkeit, Gesundheit und Inklusion. Es geht um Geh-Rechte, Sichtbarkeit und Barrieren im öffentlichen Raum.
  6. Digitale Mobilität und die Zukunft des Gehens
    Wie beeinflussen digitale Technologien unser Gehen? Dieses Feld thematisiert Gehen in der datenbasierten Stadt, Smart Walking, Gamification (z. B. Geocaching, Walking Games), Tracking, digitale Navigation und Überwachung. Gehen wird als hybrides Phänomen zwischen physischer Bewegung und digitaler Steuerung untersucht.
  7. Promenadologie heute – Wahrnehmung neu lernen
    Lucius Burckhardts Spaziergangswissenschaft als zeitgemäße und zukunftsrelevante Wahrnehmungsschule: Wie lässt sich die Promenadologie in Zeiten von Smart Cities, Klimakrise und KI neu denken und anwenden? Dieses Feld lädt zu kritischen Erweiterungen, praktischen Erprobungen und theoretischen Neu-Lesungen der Spaziergangswissenschaft ein.

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Zielgruppen der Tagung
Für wen ist die (Wieder-)Entdeckung Burckhardts ein Gewinn?

  • Für Künstler:innen (Bildende Kunst, Performance, Theater u.a.), die mit Raum, Körper, Wahrnehmung arbeiten
  • Für Städteplaner:innen und Gestalter:innen, die Fragen nach dem Raum und der Nutzer:innenwahrnehmung ernst nehmen.
  • Für Forscher:innen (Kultur-, Sozial-, Umweltwissenschaften), die Gehen als Methode praktizieren – in Anthropologie, Soziologie, Psychologie und Philosophie u.a.
  • Für Aktivist:innen, die den öffentlichen Raum als politischen Raum verteidigen.
  • Für Lehrende und Lernende, die neue Lern- und Denkformen suchen – draußen, gehend, fragend.
  • Interessierte Öffentlichkeit
    Erlebt Gehen als neue Form von Reflexion, Wahrnehmung und Teilhabe.

Burckhardt zu lesen – oder besser: ihn zu begehen – bedeutet heute, sich einer Haltung zu nähern, die radikal offen, beobachtend und nicht-wissend ist. Es ist ein Gegenentwurf zur hektischen Expertenkultur. Und ein Versprechen: Dass durch aufmerksames Gehen eine andere Welt sichtbar wird.

ILEA INSTITUTE FOR LAND AND ENVIRONMENTAL ART
Höhenring 9, 8052 Zürich, Switzerland
info@ilea.art

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